Peters´ Hobby: Amateurfunk....................................................................................................................Englischer Text: english

DJ 4 XN – Funkamateur seit 1958

 

 


Da wir im April 2013 unser Haus verkauften und in eine „altersgerechte“ Eigentumswohnung nach Bensheim-Auerbach umzogen, war auch die Antennenanlage komplett und sehr preiswert abzugeben. In DL wollte sie keiner haben. UT1KP meldete sich auf meine Anzeigen und war ganz scharf darauf. Sergey fuhr 2 Tage 1700 km hier her, baute sie ab und fuhr damit wieder 2 Tage zurück in die Ukraine. Eine Woche später war sie dort wieder aufgebaut und zur vollsten Zufriedenheit von Sergey UT1KP qrv! Da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht viel helfen konnte/durfte, hat Rudi DB5ZB sehr beim Abbau geholfen. Vielen Dank Rudi!

Seither habe ich keine Antennen mehr am 6-Familien-Haus. So darf ich aber dennoch über den Transceiver bei Rudi, DB5ZB, ferngesteuert über Internet auf Kurzwelle qrv sein. Oder über den KW-Transceiver bei DL0RB in Böblingen. Ich betreibe auch Echolink und Skype. Also bin ich nicht ganz „aus der Welt“!

Kurz und gut:

Geboren 1939 und aufgewachsen bin ich in Schwangau bei Füssen im Allgäu.
Wir drei, siehe Bild oben links, waren am 30. März 1957 unter anderen OMs und (x)YLs die Mitbegründer des heutigen DARC-Ortsverbandes Pfronten-Füssen T11, damals C21. Ende 1958 bestand ich bei der Oberpostdirektion in München die Lizenzprüfung zum Funkamateur und bekam das Rufzeichen DJ 4 XN zugeteilt. Viele weltweite Funkgespräche über alle Grenzen, Ideologien und Religionen hinweg mündeten sogar in bis heute andauernde Freundschaften.

Später wurde dieses Hobby sogar zu meinem Hauptberuf und der Grund meines Umzugs nach Süd-Hessen – fast 10 Jahre lang Sender-Ing. als Gruppeneiter für Wartung und Betrieb einer Kurzwellenstation mit mehreren Großsendern. Danach war ich bei einem namhaften Schweizer Hersteller von Elektronenröhren als Oberingenieur und Vertriebsleiter Deutschland auch für Applikation von Röhren bis ca. 1 Megawatt Anodenverlustleistung in enger Zusammenarbeit mit Kunden und unseren Fachabteilungen verantwortlich, wie auch für die Parameter-Vorgabe zur Entwicklung von Sondertypen für neue Anwendungen. Einsatzgebiete waren u. a. Rundfunksender, Hochfrequenz angeregte Hochleistungs-Laser, Forschungsanlagen zur Kernfussion sowie industrielle Hochfrequenz-Generatoren, mit z. T. über 500 Kilowatt Hochfrequenz-Leistung.



Wie das alles zustande kam:

 

Der „Bazillus Amateurfunk" – Funkgeräte selbst bauen und weltweit mit Funkfreunden sprechen

Warum, wie und wodurch ich Funkamateur wurde:

Als ich noch ein kleiner Junge war, hatte mich schon fürchterlich interessiert, wie das wohl funktioniert: Da redet jemand bei Radio München (damals hiess der Bayerische Rundfunk noch so) in eine Dose auf einem Stiel. Von dort ging ein Draht in einen Kasten mit einem anderen Draht dran zu einem Mast. Auf der Mastspitze blinkte nur eine rote Lampe (Richtung Schwangau?). Sonst nichts. Ich habe auch festgestellt, dass der Draht, der in unser Radio geht, von einem Isolierei am oberen Ende eines Holzmasts in unserem Garten kam! Trotzdem schwätzte der bis von München, also weit weg, aus unserer schwarzen Kiste (genannt „Göbbels-Schnauze“) mit dem Vogel drauf bis nach Schwangau! Vielleicht tranportierte der Eier suchende Vogel – es sollte wohl einen Adler darstellen - das Geschwätz von dem der wohl einen Vogel hatte, wie mein Vater ganz leise mal sagte?

Mit meinem Cousin Karl-Heinz auf der anderen Strassenseite habe ich schon meine ersten Kommunikationsversuche mit zwei leeren Sauerkraut-Blechdosen, jeweils einem Loch mitten in den Dosenböden und eine Schnur von Loch zu Loch gespannt, gemacht. Wunderbar! Aber mit Isoliereiern an jeweils kürzeren Schnurenden und nichts zwischen den Eiern, ging komischerweise nix.. Wir hatten allerdings auch keinen Adler..

Auch erinnere ich mich heute noch an ein Heftchen, das mich damals sehr faszinierte: In diesem war beschrieben wie ein Funker während des grossen Erdbebens in Tokyo 1923 im obersten Stock eines Hochhauses so lange Hilferufe sendete, bis das Gebäude mit ihm zusammenbrach. Sicher hat er damit vielen Menschen das Leben retten können; seines aber dafür geopfert.

Irgendwann fiel mir ein Buch in die Hände: Da war eine Zeichnung drin, wie ein ganzes Orchester in einer ominösen Kiste verschwindet, sich dort richtig vollfrisst und über eine hohe Stange mit Draht dran nun in einem Boot auf den Radiowellen auf die Reise geschickt wird.
Unterwegs sind die armen Kerle sehr abgemagert - sie ham wohl ihren Proviant vergessen - und sind halb verhungert endlich wieder an einer anderen hohen Stange mit Draht dran angekommen. Dann sind sie an diesem Draht runtergerutscht und in den heissen bauchigen Glasflaschen in einer Kiste wie unsere, verschwunden. Dann kamen sie dick und vollgefressen wieder raus, haben die Instrumente angesetzt und sind durch ein grosses Loch im Kasten musizierend wieder aufgetaucht!
Essen täten sie "Strom". Trotz eifriger Suche war es mir damals nicht gelungen, der Sache in unserem Radio letztlich auf die Spur zu kommen.
Niemand konnte mehr die aufgepopelten Glasbirnen (Röhren, wie ich heute weiss) und die eingewickelten Würste mit Drähten an den Enden reparieren. Auch die mit Silberpapier geflickten Sicherungen verabschiedeten sich mit Knall und Qualm, als Papa wie gewohnt die Nachrichten hören wollte. "Ist wohl noch schlechte Kriegsware" - schimpfte er mit skeptischen Seitenblicken auf mein Unschuldsgesicht und den alten Volksempfänger - und kaufte ein neues Radio! Eine Fügung Gottes, wie sich später herausstellen sollte!

Da ich also die Sache so einfach nicht klären konnte, beschloss ich, es erst einmal auf sich beruhen zu lassen und älter und schlauer zu werden - aber jedoch dieses Wunder weiterhin genau zu beobachten.

Dann kam endlich mein Schlüsselerlebnis:
Gerd (sk), der Sohn meiner Volksschul-Lehrerin und Bruder von Gertrud (heute DG1MCP und xYL von Fritz DJ1UR), mit dem ich sehr befreundet war und auch das Rauchen gelernt habe, erzählte mir eines Tages, dass er in seinem Radio hörte, wie sich zwei unterhalten und auch, dass manchmal welche „Zeh` Kuh" schreien würden. Das hatte auch sein Interesse geweckt. Sollten Kuh-Hirten von den Almen oder die Viehhändler nun im Radio zu hören sein? Zufällig und Gott sei Dank, haben meine Eltern den gleichen Radiotyp gekauft, und Gerd konnte mir sofort die Handhabung zeigen: Taste KW drücken, mit dem kleinen Knopf den Zeiger auf 40 stellen und mit dem grossen Knopf suchen - und tatsächlich: Da redeten zwei von De-Igs, Kuh-Tee-Ha und Ess-Meter usw. Da ich eifrig die Schule schwänzte und tagelang und wochenlang heimlich (mein Vater hatte mir streng verboten, den Innereien des Radios wieder (!) auf den Grund zu gehen) diesen Menschen zuhörte, kam ich langsam hinter die ersten Geheimnisse dieser Sekte oder was auch immer das sein sollte. Eines war sicher: Man musste etwas besonderes sein oder tun, um das tun zu dürfen denn es war ja damals schon fast alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt war. Das lehrte uns schon die Schule und der Herr Geistliche Rat. Sie sprachen auch alle sehr gepflegt (meistens preussisch) und waren sehr gescheit.
So wurde aber aus dem Licht das mir dadurch aufging, langsam ein kleiner Kronleuchter. Irgendwann bekam ich auch mit, warum ich nur Weit-weg-Schwätzer hörte: Die tote Zone sei schuld - und ich beschloss, diese sofort abzuschaffen wenn ich gross bin.

Eines Tages, es war wohl um 1955, hörte ich einen Rundspruch von DL0DI, Diez an der Lahn, in welchem die Adresse angegeben wurde und um Hörrapporte gebeten wurde. Ich schrieb eine Postkarte hin und wurde beim nächsten Rundspruch namentlich „lobend“ erwähnt und gegrüßt! Mann, was war ich stolz!! Wie unser Dackel „Burschi“, als er die edle Zwergpudeldame mit besonderem Stammbaum der Familie Neureich in der Nachbarschaft geschwängert hatte..

Nun geschah auch endlich das, was ich inständigst erhofft hatte:
„Hier ist De Jot zwo Weh Eff, ich heisse Herbert und mein Kuh-Tee-Ha ist Marktoberdorf". Das " u u eff bee Old Män Herbert " hörte ich noch. Ein alter Mann, der Herbert? Und hat er schon die tote Zone vor mir abgeschafft? Das wollte ich doch tun!
Na - egal, wenn er nur geistig wenigstens noch einigermassen da ist .. Dann hörte ich nur noch wie meine Mutter mir nachrief: "Ras nicht so, pass auf" als ich mit Mutters und der von mir frisierten NSU-Quickly in Richtung Marktoberdorf davonfegte. 40 km.

Endlich war ich in Marktoberdorf. Jeder den ich fragte, kannte um die 15 alte Herberts. Ich erfuhr wie oft und mit wem jeder verheiratet war oder auswärts „übte“, an welchem Stammtisch er sich seinen Rausch ansoff usw.; nur funken tat keiner von denen. Das dürfe man doch garnicht!

Da kam mir die Idee: Postamt! Und siehe da, der Herr Oberpostbriefträger kannte den Verrückten, der mit der ganzen Welt spricht. Weil er immer so viele Kuh-Esel-Karten dort hinschleppen müsse - aber auch schon mal dafür ein Trinkgeld bekommt und im Winter zusätzlich einen wärmenden Obstler!
Adresse notiert - und hin.. Aufgeregt, wie ein Jüngling in der heissen Phase vor der ersten Liebesnacht, habe ich bei HASLBAUER geklingelt. Eine freundliche Dame kam an die Tür und erklärte mir dann, dass ihr Gatte Herbert gerade auch wieder mal an dem blöden Kasten sitzen muss, weil er einen Schked habe - und sie nun wieder mal alleine den Flur streichen müsse.
Dann sah ich den "Alten Mann" Herbert - aufrecht sitzend, direkt vor seinem Altar ! Herbert sah doch noch jung aus - und wie ein Mensch! Sollte das der Funker sein? Ja ! Herbert hat sofort meine Aufregung richtig gedeutet und mir zuerst mit einfachen Worten vieles zu erklären versucht; die Lichter an meinem Kronleuchter wurden immer heller! Sein Altar war ca. 2 m hoch (kam mir zumindest so vor). Unten ein schwarzer Kasten mit ganz vielen Knöpfen und obendrauf ein grösserer Kasten mit Holzrahmen und Blechfrontplatte und auch mit noch mehr Knöpfen, Instrumenten usw. - und wieder dieser Draht dran, der im Nichts verschwindet - und vorne dran diese ominöse Dose mit Loch zum reinschwätzen.. Ich durfte auch in die Dose "Grüss Gott" sagen und der, der aus dem schwarzen Kasten sprach, sagte: "Juten Dach Old Män Hans Peter". Alter Mann - zu mir?? - Was ein Tag! Von da an stand mein Entschluss fest: Ich werde Funkamateur!
Nachdem meine Eltern merkten, dass ich unrettbar diesem Hobby verfiel obwohl sie immer noch hofften, dass ich mal Buchhändler werden und den elterlichen Papierladen übernehmen würde, haben sie mir Amateurfunk-Literatur zugebilligt - "DER KURZWELLEN=AMATEUR" von Karl Schultheiss - dieses Buch habe ich fast auswendig gelernt und von da an ging alles relativ schnell. Die Lehrer in der Schule hatten mich als stinkfaul bezeichnet und empfohlen, mich doch besser von derselben zu trennen. Mein Wissen über die Geheimnisse der Funkerei stieg jedenfalls schneller als das über den Schulkram - von Tag zu Tag und Nacht zu Nacht. Nachdem ich aber trotzdem die „Mittlere Reife“ geschafft hatte wollte ich Radiotechniker lernen, aber keine Lehrstelle frei. Also lernte ich notgedrungen Feinmechaniker bis zum Gesellenbrief, in einer Firma gleich um die Ecke.

Der erste 0V1 pfiff und quakte - der alte umgebaute Volksempfänger-Sender versorgte auf MW die Nachbarschaft mit Musik aus meinem Plattenspieler. Kein HiFi, aber man konnte hören, was es sein sollte. Ich war schon am verzweifeln, weil ich bald an einem toten Punkt ankam. Keiner war da, der mit mir meinen Wissensdurst teilen wollte oder konnte. Gerd war schon dem anderen Geschlecht verfallen..

Ende 1956 (oder Anfang 57) erschien ein Artikel im "Allgäuer" , von einem der um die Welt funkt, sogar mit den Händen -!?-: Erwin Nägele, DJ2WJ (SK), aus Pfronten Kappel. Wieder die Moped-Tour. Und da kamen sie, die Gründer des OV C21, heute T11, denen es genauso ging wie mir: Der Martl, der Ottl, der Walter, der Seppl, der Roland, noch einige Herberts, der Jürgen und viele mehr. Alle trafen sich beim Erwin, lauschten andächtig seinen geweihten Worten und Funk-Vorführungen - und tranken auch noch sein Bier! Der Erwin hatte wohl gewusst, was er da vom Zaun gebrochen hat mit dem Artikel: Die Initialzündung zum OV-Pfronten! Erwin verstarb am 20.7.2015.

Mehr als 3 Deutsche auf einem Haufen heisst ja: Einen Klub gründen! Dies wurde dann auch schleunigst im März 1957 im Gasthof ENGEL, Pfronten Kappel, vollzogen. Saukalt war's, Schneetrieben, Glatteis - aber ich durfte ausnahmsweise mit Papas Auto fahren! Zum ersten Mal. Denn Tags zuvor habe ich meinen Führerschein bekommen! Jetzt wurde auf Teufel komm raus CW geübt. Freilich war ich nicht immer in Pfronten mit dabei. In Heimarbeit am Empfänger habe ich viel gehört.. Im Herbst darauf bestand ich die DE-Prüfung (Deutscher Empfangs-Amateur): CW-Tempo 30 und Theorie. Schwerer als heute Klasse "E". Ich war DE 13026!

Irgendwann und irgendwie kam ich damals mit Jürgen (Sonny), heute DF1CF, mehr in Kontakt; der war genauso "g'spinnet" (Ausdruck von Papa) und wohnte in Füssen. Gemeinsam und heimlich haben wir Sender gebaut und ausprobiert. Um nicht aufzufallen mussten wir dann aber auch ein Rufzeichen benutzen. DL4ORD, die damalige Ami-Clubstation in Füssen, war ja nie auf 80 m in AM qrv... Also kein Problem - so dachten wir.... Nur, dass ich ausgerechnet den Sonntagsgottesdienst im Radio unseres Postbriefträgers in der Nachbarschaft mit "CQ 80" überlagerte, hatte ich nicht einkalkuliert. Kurz und schlecht: Zwei gelbe Autos standen eines Tages vor der Tür als ich mittags zum essen heimkam - als Lehrling bei Reisig und Ullmann, mit 35.- DM im Monat (das nannte sich damals „Erziehungsbeihilfe“), die ich auch noch zu hause abliefern musste! Dann kam die Frage: "Funkst Du"? Leugnen zwecklos. Die sehr schlauen Beamten folgten einfach meinem ominösen Draht vom Isolierei in umgekehrter Richtung und landeten so zwangsläufig in meinem Heiligtum. Wie das Orchester damals - nur nicht so abgemagert, dachte ich leise..
Dann haben die doch einfach alles eingepackt - und mitgenommen! Selbst unser Hund, der ja auf meiner Seite war und kräftig schimpfte, konnte es nicht verhindern.
Der Jürgen aber hatte irgendwie wohl noch rechtzeitig Wind von der Sache bekommen - und vorher alle seine Geräte verschwinden lassen und sein Zimmer aufgeräumt - "das kann kein Schwarzfunker sein". Vom Papa erhielt ich noch dazu eine saftige Ohrfeige. Ich weiss bis heute noch nicht warum; weil ich was unrechtmässiges getan habe, oder weil ich mich habe erwischen lassen?

Tage der Seelenpein vergingen.. dann kam ein Brief von der Oberpostdirektion: "In Zuguterechnung Ihres jugendlichen Alters und weil wir sehen, dass Sie sich ernsthaft auf die Lizenzprüfung vorbereiten, sehen wir von einer Strafanzeige ab und stellen die Geräte sicher bis zur endgültigen Lizensierung". Mir fiel ein Stein, ach was - eine ganze Geröllhalde, vom Herzen... Wie kam denn das: Der Erwin, DJ2WJ mein OVV und DL1BA Heinz Pankow, der damalige QSL-Vermittler aus München mit Urlaubswohnsitz ein umgebautes und schnuckelig eingrichtetes ex-Bienenhaus bei Weissensee, haben sich derart für mich bei der Post eingesetzt, bis diese ein Einsehen (oder war's Erbarmen?) mit mir hatte! Danke Erwin, danke Heinz (beide leider sk)!

Nun hatte ich wieder mehr Zeit um CW zu lernen.. Ich will es nun kurz machen: Am 1. Dezember 1958 gelang mir der grosse Wurf bei der OPD (Ober-Post-Direktion) in München: Die Lis bestanden ! Es war für mich die schwerste und aufregendste Prüfung meines Lebens. Erst beim dritten Anlauf hab ich CW Tempo 60 (Zeichen pro Minute) endlich geschafft - das CW war (und ist) für mich die grosse Hürde. Aber das ist heute Schnee von gestern.. CW? Was ist das? Zur Info: Man nennt es auch Telegraphie oder Morsen.
Meine Geräte durfte ich sogar gleich wieder mitnehmen. Die Lizenzurkunde nicht, denn diese wurde damals noch hoch offiziell zugeschickt. Am 6. Dezember 1958, nachdem ich brav mittaggegessen hatte, überreichten mir meine Eltern das lang ersehnte Papier! So schnell bin ich noch nie ins Gartenhaus, in mein Shack, gesaust.
Alles war ja parat - und endlich war es soweit: Mein erster QSO-Partner war DL1EI, Mike (sk) aus München, am 6.12.1958 um 12:50, 80m, AM. Mit homemade RX, TX, Modulator und Antenne - und unter meinem eigenen Call: DJ 4 XN !

Mein erster Eigenbau Röhren-Sender : ECO VFO mit RL12P2000, verstärkt mit einer LV30 bis ca. 15W HF, Schirmgitter-Modulation mit EF12 und EL11. VFO und PA im 80m-Band. 40m konnte der auch; durch Verdopplung in der LV30 (igitt..). Kristallmike - das hat mir der DK2LR (sk), damals noch unlis bei Radio Möst in Füssen, verkauft und noch neugierig gefragt wozu ich das denn brauche, hi.. Dass er damals auch Schwarzfunker war, wusste ich leider nicht - drum hab ich sicherheitshalber nix gesagt..
Die Antenne eine echte 41m lange Windom aus "gefundenem" Ami-Manöver-Feldtelefondraht der dummerweise (hi) schlecht versteckt irgendwo nachts herumhing. An der Zuleitung aus Klingeldraht eine Glimmlampe und in der Zuleitung eine (damals noch) 6 Volt Scheinwerferbirne aus Papas Auto die auf maximale Helligkeit mit dem Sender-Anodenkreis abgestimmt wurden (oder: tune for maximum smoke). Der Empfänger ein homemade 1V2, dann später ein umgebauter BC454 und ein BC312. Rapport: 5 und 9 !! Also fast alles Eigenbau, aus Armee-Surplus-Schrott und ausgeschlachteten Radioteilen (auch aus Teilen der Göbbels-Schnauze!) zusammengebastelt. Danke liebe Nachbarn! Shack 1959. Die vorhandenen Bauteile bestimmten was und wie es wird oder werden konnte/sollte...

Damals galt für Funkamateure noch:

"Amateurfunk ist: Wenn's selbst gemacht und trotzdem geht!". Selbst mit nur 10 Watt Sendeleistung (damals noch in Amplitudenmodulation; auch beim Partner) und einer einfachen Drahtantenne konnte man mit der ganzen Welt Verbindungen aufnehmen. Es gab nur eine Lizenzklasse „A“ (erlaubt waren Röhren in der Endstufe mit max. 50 Watt Anodenverlustleistung). Die Prüfung: Telegraphie 60 Zeichen/Minute ein "Muss", kein Fragenkatalog zum auswendig lernen; alles konnte gefragt werden. Man musste mindestens 18 Jahre alt sein und durfte nicht vorbestraft sein (Polizeiliches Führungszeugnis!). Nach einem Jahr, ohne negativ aufzufallen, konnte man die höchste Klasse „B“ beantragen (erlaubt max. 150 W Pa in der Sender-Endstufe). Ein Film von 1955 zeigt, wie es damals zur „AM-Zeit“ war zeigt ein Film in YouTube: CQ-DX


 



Das war meine erste eigene QSL-Karte ! Damit werden Funkpartnern die Funkverbindungen untereinander bestätigt.

Danke an DJ3ZG ! Mit ihm hatte ich etwa 2001 ein QSO und er erzählte mir, daß er noch eine QSL aus dem Jahr 1959 von mir besitzt.

Ich hatte keine mehr und auf meine Bitte hin, hat er sie mir zugeschickt.

Ene schöne Erinnerung an alte Zeiten...

Übrigens: Das 40m-Band ging damals von 7.000 bis 7.150 MHz und wurde Ende 1960 um 50 kHz (nur noch von 7.000 bis 7.100 MHz) beschnitten um ausgerechnet für die Rundfunksender Platz zu schaffen, für deren Wartung und Betrieb ich mich später bewarb. Auch dank Amateurfunk-Lizenz wurde ich ab Oktober 1961 dafür zuständig, konnte mein Fernstudium "HF-Technik" hier zu Ende bringen und kam somit zu meinem zweiten und damit Hauptberuf. Die idealen Messgeräte dort erleichterten auch den Eigenbau von mehreren Geräten wie Mobil-TX und RX 80m AM incl. Mob-Antenne, SSB Filtersender mit 5 selbst auf die notwendigen Frequenzen gezogenen bzw. mit Waschpulver „VIM“ geschliffenen FT243-Quarzen gleicher Grundfrequenz, mit Dioden-Ringmischer und ansonsten nur mit Röhren bis zur 807 in der Endstufe. Danach ein 80m 100 Watt SSB- Transceiver nach DL9GU (sk) mit Collins-VFO, einem mechanischen 500kHz-Filter und einer 6146 in der Endstufe, eine 1kW Kurzwellen-PA mit 2x 813 in GB-Schaltung u.v.a.m.

So ist es heute - Amateurfunk im Wandel:

Ziugegeben: Mit den heute im Handel, meist auch nur in großen Mindest-Stückzahlen, erhältlichen Bauteilen (SMD-Techik u. ä.) ist nur noch wenigen Spezialisten ein Eigenbau der kompletten Funkstation möglich. Damit ging schon der Großteil des Reizes verloren. Der Begriff „Steckdosen-Amateur“ entstand nachdem der Kommerz den Markt entdeckte und Komplettgeräte anbot welche von einfachen Funkamateuren kaum mehr zu beherrschen oder gar zu reparieren sind. Schlagwort neu: Digitaltechnik.; damit dauert ein „QSO“ nur noch etwa 1 Minute!; dann das nächste, automatisch vom PC ohne Operator´s zutun!

Ein 5-jähriger US-Amerikaner besteht Amateurfunkprüfung; ...Inhaber der Technician Lizenz dürfen 200 Watt HF auf vier Kurzwellenbändern sowie max. 1500 Watt auf den VHF-, UHF- und Mikrowellenbändern machen. Weiterhin dürfen sie maritim mobil Betrieb machen und ihr eigenes Equipment selbst bauen sowie Repeater betreiben... (Auszug aus CQ-DL 26.1.2015)

Prasselstörungen (QRM) im Empfänger durch alle möglichen „modernen“ Halbleitergeräte wie Powerline-Internet, Plasma-Fernseher und LED-Lampen-Schaltnetzteile u.v.a.m. (selbst Hunde und Katzen sind heute "gechipt") den Empfang beeinträchtigen, genügen kaum noch 100 Watt bei der Partnerstation. Funk-Wettbewerbe (Conteste) blockieren an fast jedem Wochenende die Bänder für „normale“ QSOs und arten zu regelrechten Materialschlachten aus: Maximal zulässige Sendeleistungen, Bandbreiten und Bandpläne werden oft nicht mehr beachtet und nur immer die gleichen kurze Rapporte „fife nine - qrz“ vom Automaten. Das war dann ein QSO und nennt sich dann auch „Amateurfunk - ein völkerverbindendes Hobby“, hi... Wenn heute ein Interessent zuhört was da so abgeht wendet sich mit Grausen wieder ab „Ist das Amateurfunk? Ne...“, und schaltet wieder sein Smartfone ein.... .

Einige Episoden an Rande:

Eines Tages (noch in Schwangau) kam der MAD (Militärischer Abschirm-Dienst) zu mir ins QRL und forderte mich „höflichst“ auf, mitzukommen in*s Schwangauer Rathaus. Dort warteten schon mehrere Männer im „Geheimdienst-Look“ mit Hüten und langen Mänteln auf uns. Ich wurde beschuldigt mit einem „Soldatensender Peter“ gesendet zu haben! Anhand meines Logbuchs und der Lis-Urkunde war die Erklärung des Problems dann gefunden: Mein damaliger QSO-Partner war ein Soldat (mit Lizenz) in der Kaserne Murnau. Ein Unteroffizier hörte ihn teilweise und undeutlich in seinem Radio, meldete dies pflichteifrig seinem Vorgestzten, dieser wiederum seinem Vorgestzen (streng nach Hirarchie) usw.. bis zum MAD. Nach vielem hin und her war die Sache dann klar und ich durfte wieder gehen. Nicht ohne den Hinweis, daß sie uns „im Auge behalten werden“! Wie lange, das haben sie nicht gesagt; vielleicht heute noch?

Viele Jahre später: Ich hatte einen Termin nachmittags bei einem Kunden bei Tübingen. Da ich zu früh dran war und Hunger hatte, kaufte ich mir 2 Paar Wienerchen, parkte auf einem Feldweg, fuhr ein 80m-Mobil-QSO mit langer Antenne am Wagen und genoß meine Würstchen. Plötzlich stand ein grüner VW Käfer direkt vor mir und 2 streng dreinschauende Polizisten stiegen aus und setzten ihre Dienstmützen als Zeichen ihrer Macht auf. Einer kam zu mir „Was machenSie da“? Ich: „Mittagspause, QSO-fahren und Würstchen essen. Möchten Sie auch eins“? Letzteres verneinte er. „Ihre Papiere bitte“! Die Lis-Urkunde interssierte ihn am meisten und brachte sie zu seiem Kollegen. Dieser telefonierte eine kleine Ewigkeit mit seinem Mobilfunkgerät, übergab mir dann meine Papiere wieder und verabschiedete sich mit dem Hinweis, daß ich eigentlich hier nicht parken dürfe. Die 5 DM Verwarnungsgebühr erlasse er mir „dieses mal ausnahmsweise“.


Weitere (zu düstere?) Aussichten :

Der kommerzielle Funk, die Lang-, Mittel-, Kurzwelle und UKW, werden immer mehr zugunsten Internet abgebaut. Das Interesse am Amateurfunk schwindet bei den Jugendlichen der Smartfone-Generation (oder Neudeutsch: „Digital Natives“) immer mehr. Was ist aber, wenn heute das Internet oder/und das Stromnetz zusammenbrechen würde - keine E-mail, kein Handy, kein Telefon, keine vernünftig fuktionierende Kommunikation der Notdienste unter- und miteinander usw. mehr möglich? Die komplizierte Technik (alles muss ja heute digital sein) ist eben nicht 100% zuverlässig! Die Hacker geben sich ja heute schon alle Mühe (und es gelingt ihnen immer öfter) das Internet zu stören oder teilweise lahm zu legen. Waren es dann wirklich „nur Software-Fehler“, wie man uns weismachen will? Oder wenn gar bei Natur-Katastrophen tagelang oder gar wochenlang nichts mehr geht? Funkamateure haben leider schon oft beweisen müssen, daß sie in kürzester Zeit ein funktionierendes Not-Kommunikatiosnetz für kurze und lange Distanzen, mit Batteriestrom oder Notstromaggregaten betriebenen Amateurfunkgeräten und einfachen Drahtantennen, aufbauen können. Vielleicht ist man dann wieder einmal froh, wenn es noch Funkamateure gibt!



 

 

Endlich mehr Zeit...

Nun bin ich Rentner und habe Zeit zum funken! Gott sei Dank habe ich dieses Hobby - sonst wäre es ja fast zu langweilig! Auch wenn ich nun dem "Desdo-Club“ * angehöre. Aber mein liebes Weiblein, Marianne ex-DC0ZU, hat dafür sehr viel Verständnis.
Auch im Urlaub, wie beispielsweise auf der Insel Gozo (Malta) seit 1987 unter meinem dortigen Rufzeichen 9H3HA.

* = "mach mal Desdo..."



Und hier einige interessante Links:

Das HIGHLIGHT für einen Funkamateur (mit Genehmigung von DJ4OI): DL0BBC

Meine QSL zum download bei: www.qrz.com/db/dj4xn

Mit DL9GU (sk) – erster 23cm-EME-Contact Europa mit Porto Rico, (Filme in YouTube) Teil 1/2: EME ---- Teil 2/2: EME

Funktionsweise des ECHOLINK-Node DM 0 ZBA-L in Bensheim (genehmigt von DB5ZB): DM 0 ZBA-L

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